Kriegskinder, Kriegsenkel

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Kitty
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Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Kitty » Mi, 03. Okt 2018 21:34

Ich hatte in einem anderen Thread darüber geschrieben.
Hier habe ich etwas von Sabine Bode
https://www.youtube.com/watch?v=yAHZy-g9uok

Ich hatte sehr lange meine Eltern nicht verstanden, auch meine gesamte Familie nicht. Überhaupt, empfand ich alte Menschen oftmals wie eingefroren und leblos, als wenn es dazu gehörte, in späteren Jahren sich für nichts mehr zu interessieren.

Es gab jede Menge Spannungen und Reibereien innerhalb meiner Familie wegen äußerlichen Kleinigkeiten. Ich hatte es anders gemacht, ich wollte mehr wissen, z.B. über mich, das war meinen Großeltern mehr als nur ein Dorn im Auge.

Man kann wirklich viel im Internet nachlesen, wie Frau Bode sagt, so verstehe ich z.B. dass meine Mutter sich nicht in Aufzüge traut, obwohl sie sagt, sie war niemals im Keller oder Bunker und hörte nicht die Bomben über ihrem Haus in der Großstadt einschlagen. Sie kann sich nicht mehr daran erinnern und dass ist auch gut so. Aber mit einem bisschen Recherche, wann ihre Stadt zwei mal dem Erdboden gleich gemacht wurde, kann man sich ausrechnen, dass es gar nicht anders gewesen sein kann. Und deshalb wahrscheinlich auch all die vielen Verhaltensweisen, die mich ratlos und verwirrt zurückließen, dass ich bereits mit 14 wusste, Kinder, werde ich niemals haben wollen.- Die Babyboomer, so wie ich einer bin.
Familie- nein Danke!

Als ich 16 war fing sie an uns Kinder vorzuwerfen, dass wir niemals materiell etwas entbehren mussten, auch niemals Hunger, wie sie leiden mussten. Genau diese Situation konnte ich in S. Bodes Buch "Kriegsenkel" nachlesen.
Damit bin ich nicht allein, erst vor einigen Jahren fing ich an mehr über mich und meiner Familie und auch über unsere Gesellschaft zu verstehen.

Und es stimmt, auch meine Eltern interessieren sich sehr wenig über mein Leben. Immer reden sie von sich und was sie alles tun- besonders mein Vater. Möchte ich etwas erzählen, was mir wichtig ist, werde ich meist von ihm unterbrochen. Sehr lange Zeit konnte ich mit ihm nur in Kontakt treten, wenn ich seinen Themen zuhörte. Bis es mir auffiel, warum ich dabei oft unter Beklemmungen litt.

Auch dass trifft von ihr zu. Seit ich mehr über meine Eltern weiß, ich somit ihre Verhaltensweisen in einen Hintergrund sortieren kann, verstehen wir uns besser. Besonders meine Mutter ist darüber sehr dankbar. Nicht dass ich das möchte oder suche, aber ich meine, in manchen Situationen möchte meine Mutter, dass ich ihre Mutter sei, die sie niemals hatte. Verehrend für Kinder- Ihre Mutter war körperlich anwesend, aber niemals für sie da, genau wie sie nicht für mich.
Mit diesem Hintergrund konnte ich einmal ihren momentanen Verwirrtheitszustand belassen und sie trösten.

Und, sie fühlt sich immer als Opfer, immer-.
Auch das typische Schwarz- Weiß- Denken, von denen Frau Bode spricht, entdecke ich wieder. Grautöne gibt es nicht.

Einfühlsamkeit, findet man eher nicht.
Auch ich hatte schon den Eindruck, einerseits sind meine Eltern sehr gebildet, -mein Vater trägt mittlerweile den Doktor- Titel,- andererseits sind sie in gewisser Weise behindert, z.B. sich in andere hinein zu versetzen.

Auch wiederholt sich der Stress zwischen mir und meinem Bruder-

Vielleicht kann ja jmd. hier etwas damit anfangen, oder erkennt sich vielleicht darin sogar wieder.
Das wäre mir wichtig an andere weiter geben zu können.

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Elmar » Do, 04. Okt 2018 07:58

Im Krieg wurden die Menschen vielfach und immer wieder traumatisiert - vielfach auch danach noch.
Besonders die Frauen und vor Allem in Gebieten, die von Russen besetzt wurden.
Kein Wunde, was die Russen mit den deutschen Frauen taten, wird ihren Frauen von deutschen, zuvor angetan.
Die Leidtragenden waren immer die Schwächeren.
Dabei ist soviel zerbrochen - einfach nicht beschreiblich.
Die Kinder der Nachkriegszeit wurden von zerbrochenen Eltern und Lehrern aufgezogen - so ging das Trauma weiter.
Und heute?
Es ist erschrecken, wie überall Kriegsgeheul und extrem Rechtsradikal wieder an den Schaltstellen ist.
Schöne Grüße

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Kitty » Do, 04. Okt 2018 12:10

Ich wollte eher darauf eingehen, wie mich das prägte.
Als ich 16 war fing sie an uns Kindern vorzuwerfen, dass wir niemals materiell etwas entbehren mussten, auch niemals Hunger, wie sie leiden mussten. Genau diese Situation konnte ich in S. Bodes Buch "Kriegsenkel" nachlesen.
Ich wollte nachfragen, ob ich ab jetzt nichts mehr zu essen bekomme, oder wie sie drauf käme? Von jetzt auf gleich damit anzufangen, denn Krieg war doch niemals Thema bei uns, ist doch schon ewig her. Ich dachte, besser nicht nach haken, vergessen, nicht dran rühren, vielleicht schmeißt sie mich wirklich vor die Tür?

Meine Mutter hätte spätestens da schon Therapie gebraucht, sie war auf uns eifersüchtig, dass wir es besser hatten als sie, was sie doch beide wollten, dass es uns (materiell) besser ging, hatten sie erreicht. Ihre Eifersucht hatte ich auch in anderen Belangen öfters erlebt, mir war aber lange nicht bewusst, dass es Eifersucht war- denn offiziell hat eine Mutter niemals auf ihre Tochter eifersüchtig zu sein.
Immer reden sie von sich und was sie alles tun- besonders mein Vater.
Interessieren sich die Eltern nicht für ihre Kinder, nehmen sich die Kinder oft selbst nicht wahr. Sie wissen nicht wer sie sind, wo ihre Neigungen liegen, was ihre Interessen sind. Tauchen Probleme auf, fallen ihre Interessensgebiete zusammen, denn sie scheinen unwichtig zu sein. Denn dass die Eltern sich nicht interessierten, war ja nicht erst, als ich Mitte 30 war, schon immer gab es wenig Interesse an mir, seitens meiner Eltern.

Besonders Kinder haben niemanden mit dem sie Schwierigkeiten besprechen können, denn Schwierigkeiten die Kinder oder Heranwachsende haben, sind in ihren Augen nichts wert. Sie haben schließlich den Krieg überlebt.
Jugendliche können nicht von jetzt auf sofort mit Widerständen umgehen, sie müssen es erst lernen, in dem sie jmd. im Hintergrund haben, der sie immer wieder ermuntert, ihre Interessen oder Meinungen über best. Themen weiterhin wahr zu nehmen und zu vertreten.
Einfühlsamkeit, findet man eher nicht.
Wenn Eltern nicht einfühlsam auf Umgebung, wie auch ihre Kinder eingehen, können diese auch nicht einfühlsam lernen, sich selbst zu verstehen. Da gibt es niemanden, der dem Kind vermittelt, dass das Kind rumschreit, weil es gerade wütend ist. Das Kind weiß nicht, dass es wütend ist. Wenn Vorwürfe kommen, die vermitteln, dass das Kind ständig schreit, denkt das Kind über sich, es ist unmöglich, schreit, weil es schreien will und führt sich nur auf, weil es andere z.B. vorsätzlich ärgern möchte. Das Kind lernt nicht seine Bedürfnisse in Worte zu fassen.

Auch wenn insgesamt keine Grautöne der verschiedenen Stimmungen innerhalb der Familie wahrgenommen werden und somit keinen Platz haben, übernehmen Kinder die emotionale Betäubung der Eltern.
Was übrig bleibt, ist größte Verwirrung, warum man so ist, wie man ist, man versteht sich selbst und die Welt nicht. Aufs Leben ist man so gut wie nicht vorbereitet worden.

Der Stress geht weiter, die Eltern setzen ihre Kinder emotional unter Druck, wenn diese nicht funktionieren, wie sie es für ihre Sprösslinge vorsehen.

Außerdem kleben die Kinder weiterhin an den Eltern. Warum das so ist, kann ich momentan nicht in Worte fassen. Ich glaube, noch weitere Komponenten stehen im Raum, weil die Welt für die Eltern weiterhin nicht verlässlich scheint, müssen die Kinder ihren Eltern bei stehen und dürfen sich von ihnen nicht lösen und ihren eigenen Weg gehen.

Lösungen gibt es ja nicht, über nichts darf gesprochen werden. Emotionen in unserer Familie waren lange Zeit mit Peinlichkeit behaftet, wenn man Ängste benennen wollte wurde man sofort verdächtigt ein Versager zu sein.
Wie, als wenn man mit einem Bein im Gefängnis saß :)
Bzw. musste man damit rechnen sofort im Außen zu stehen, nicht mehr zur Familie zu gehören. Das ist wie Knast :mrgreen:

Man kann auch sagen, der äußerliche Krieg führt zu Kriegen innerhalb der Familien.
Die nicht Aufarbeitung innerhalb der Familien, kann wiederum zu äußerlichen Kriegen der Nationen führen.

Bestimmt gibt es noch viele Aspekte mehr, auf die Fachleute eingehen könnten. Denn ich sehe mich nicht dafür zuständig auf unsere momentane Stimmung innerhalb Deutschlands hinzuweisen. Ich denke, die allgemeine Sprachlosigkeit findet man dort auch wieder.

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von nmeyer » Di, 06. Nov 2018 10:40

Manche Menschen leben immer nur in der Vergangenheit...

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Kitty » Do, 08. Nov 2018 21:56

nmeyer hat geschrieben:
Di, 06. Nov 2018 10:40
Manche Menschen leben immer nur in der Vergangenheit...
Wie darf ich das verstehen?

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Kitty » Mi, 09. Jan 2019 22:23

Ich habe jetzt etwas gehört und dass passt genau.
Die Nachkommen, die Kinder der Kriegsgeneration haben ein Recht zu erfahren, was passiert war.

Die Generation kann aber nicht reden. Nicht weil sie nicht will, sondern weil sie nicht kann. Weil in dem Moment, wenn sie darüber sprechen, sie völlig in diesen alten Situationen gefangen sind.
Sie haben keinen Abstand, nur wenn sie es verdrängen, gewinnen sie Abstand, also wird weiter verdrängt.
Und doch kommen diese Dinge im Alltag durch, ohne dass sie es beeinflussen können.
Die Nachkommen wundern sich, was mit ihren Eltern ist, warum sie plötzlich aus heiterem Himmel anfangen zu schreien.
Äußerlich ist nicht viel passiert, außer dass dem Kind vielleicht ein Patzer passiert ist, wenn überhaupt.

Und hier mache ich den Schwenk zu meiner Mutter, ich konnte nie wissen, was sogleich passiert. Ich bewegte mich ständig auf unsicherem Boden. Da war kein sicherer Boden unter meinen Füßen. Es konnte sein, dass ich sogleich für etwas verantwortlich gemacht wurde, was ich in meinen jungen Jahren gar nicht einordnen, denn verstehen konnte. Urplötzlich ließ sie die Sau an mir heraus, wegen nichts. Kinder kann das aber verängstigen, besonders, wenn von Außen kein Regulativ vorhanden ist, kein Schutz, kein gar nichts.

Hätte ich nicht so viel für mich aufgearbeitet und schließlich und endlich Erkenntnisse darüber gewonnen, in welcher Zeit und Lage sie aufwuchs, wäre ich noch heute in ihren Erlebnissen gefangen, hätte ich Angst vor ihr, würde es ihr weiter recht machen wollen, wäre ich in diesem permanentem schlechten Gewissen, was sie mir einredete (denn irgendjemand muss ja Verantwortlich an ihrer Situation sein und seien es ihre eigenen Kinder) weiterhin gefangen, dieser ganze Wahnsinn würde mich heute noch begleiten.

Aber ich merke, wie ich an manchen Punkten im Leben leider noch hänge und von alleine nicht weiterkomme. Das macht sauer, wütend, man dreht sich im Kreis und macht depressiv. Das ist richtig....
dann kann man sich ja gezielt Hilfe suchen.

Aber leider können Psychologen können schräg drauf sein, zum davonlaufen. Die sind selbst oft krank und stehen kurz vorm Suizid.
Oder sie stellen sich höher als ihre Patienten und alen sich in ihrer Machtposition, hinter der sie sich verstecken und diese nicht klar anprechen, dass es so ist, wie es nunmal ist.
Nicht immer ist man bei ihnen in guten Händen.
Da muss man leider sehr genau auf sich aufpassen. Wirklich prekär in Deutschland diese Situation.

Ich gehe noch mal zurück zu dem Abstand, den die Eltern nicht vermitteln konnten.
Den Abstand zu alten Dingen müssen dann die nächste Generation leisten, wenn sie nicht anders können. Niemand hat Bock drauf, auf diese Aufgabe. Aber sie kann nunmal höchst Erkenntnisreich sein.

Dazu muss man erst einmal Ahnung von der Materie haben.
Man kann sich ausmalen, was sie erlebte. Steht z.B. auf Wikipedia, wenn man weiß wo, wann sie geboren wurde und lebte, ist z.B. ein leichtes nachzulesen, was sie verdrängt.

Seit ich Abstand gewonnen habe, konnte ich meiner Familie einen gewissen Frieden vermitteln.
Wenn man das ganze durchspielt wird auch klar, was man selber nicht aufarbeitet, gibt man, wenn man welche hat, an seine Kinder weiter, die es wiederum an ihre Kinder weitergeben, falls diese welche haben... usw. und wird bis in die über- übernächste Generation möglicherweise weitergetragen.

Man findet dieses Thema aber auch möglicherweise in unsererer aktuellen Politik wieder, ein ganzes Volk, was nicht aufarbeitet. Dazu wären aber Politikwissenschaftler beauftragt, sich dass mal näher anzuschauen und ihre gewonnenen Erkenntnisse auszuplaudern, wahrscheinlich findet man da wirklich vieles wieder ...

Mein Vater ist dankbar für meine "Vermittlungsarbeit". Er sagt heute, Fehler hat er sicherlich gemacht. Er weiß jedoch nicht welche.
Ich sagte ihm, er soll dass alles mal nicht so persönlich nehmen, was sein Sohn alles von sich lässt. Sei dir sicher, eigentlich bedeutest du ihm sehr, sehr viel.

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Kitty » Mo, 04. Feb 2019 22:51

Habe jetzt zufällig das Buch "Deutsches Haus" von Anette Hess in die Hände bekommen und gelesen.
Kann ich nur empfehlen, wenn man sich mit dem Holocaust aus familiärer Sicht nochmal auseinander setzen möchte (was meist in der eigenen Familie verschwiegen wird) und wissen möchte, wie es in Auschwitz abging.
Harter Toback.

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Elmar » Di, 05. Feb 2019 15:41

Es gib einige Bücher, von Leuten, die es irgendwie überlebt haben.
Aber die Wenigsten schrieben alle Gräuel auf, weil sie es auch im Nachhinein kaum fassen konnten
Was in jeser Zeit abging, es ist kaum vorstellbar.
Das Erschreckende - dass jene Ideologie von damals, wieder so weit verbreitet ist.
Schöne Grüße

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Kitty » Di, 05. Feb 2019 20:50

In dem Buch "Deutsches Haus" haben die ehemaligen Auschwitz Insassen, während des Prozesses weit gefächert berichtet. Frau Hess hatte dies an Hand Gesprächsprotokollen aus dem Internet, die jeder hören kann, verwendet.
Mir gings nach dem Buch nicht gut, was unvorstellbar ist, konnte ich nachempfinden, das Grauen mir vorstellen.

Ich ging letztes durch unsere Innenstadt, da habe ich 3 Kinder gehört, wie die was mit "Ausländer und abfackeln" geschrien hatten. Das nächste mal sage ich was, vorerst war ich erst einmal schockiert, wie die was krakeelen können, ohne zu wissen, von was sie sprechen. Das müssen die von Erwachsenen haben.

Was mich schockierte war, als ich mir meine Familie anfing anzuschauen, dass doch mein Großvater auch mitgemacht hatte, zumindest nichts dagegen. Genau das gleiche, wie im Buch beschrieben. Er muss als Bahnbeamter die Deportationen gesehen und auch gehört haben, anders geht das gar nicht. Und seine Frau behauptete, als ich sie als Kind fragte, was doch alle sagten, "Davon haben wir doch gar nichts gewusst!"- das hat die doch mitgekriegt. Spätestens als überall Wohnungsauflösungsverkäufe stattfanden, die hatte doch bestimmt geramscht, was nur ging, Hauptsache billig. Kenne sie doch.

Ich reg mich immer noch auf, weil darüber nicht gesprochen wurde und sich nicht auseinander gesetzt wurde.

Mir ist durch das Buch nochmal klarer geworden, wie ich es schon mal hörte, dass ich in eine psychisch kranke Gesellschaft hineingeboren wurde. Niemand hatte gesprochen, jeder verdrängt und seinen Stress an die nächst Schwächeren rausgelassen, denn irgendwo musste das schlechte Gewissen und alles schlimme Erlebte ja hin.
Deshalb denke ich, das Thema ist noch nicht durch. Wir verdrängen. In unseren Familien haben wir nicht gesprochen, denn die Großeltern, Eltern wollte man nicht weiter belasten usw.
Deshalb denke ich, das kann wieder passieren, so lange wir uns nicht mit unseren eigenen Familienangehörigen, unseren Ahnen auseinander setzen.
Ich hatte als Jugendliche nicht verstanden, dass die "Alten" so komisch knöchern waren und dachte, das war wohl früher allgemein der Fall. Aus der Schule versuchte man mir einzureden, das wäre der technische Fortschritt, weil die Alten nicht mitkommen, versteht sich Jung und Alt nicht.
Nein, die waren alle traumatisiert und mit Traumatisierten kann man nicht reden, die verdrängen entweder oder flippen aus, wenn man näher nachbohrt und sie drauf hinweist. (Oh, das wäre gar nicht gegangen, unser Opa hätte uns alle hochkant aus seinem Haus befördert und die nächsten 100 Jahre mit keinem von uns mehr gesprochen) Und Recht hatten sie sowieso automatisch immer, weil die älter waren und wir jung, ganz einfach.

Mein Vater war immer stolz, dass sein Vater bei der Bahn arbeitete, er hatte so gut wie alles über den 2. Weltkrieg gelesen, sich über die damalige politische Lage informiert, wie es zu einer Diktatur kommen konnte, durch Hitlers "Mein Kampf" sich durchgekämpft (elendig langweilig und langatmig geschrieben) und sagte, man hätte alles genau erfahren können, hätten alle Hitlers Buch gelesen, denn es stand alles drin, was seine Ziele waren. Das original- Exemplar haben wir immer noch, von meinen Großeltern.

Aber er konnte nicht 1 und 1 zusammenzählen, Deportationen- sein Vater Bahnbeamter. Genau wie ich, ich kam mir vor wie Gehirnamputiert, warum ich da nicht zu seinen Lebzeiten drauf kam.
Denken war verboten. Die Kinder vermeiden, was ihre Eltern nicht wollen.

Und Psychologen klären einen nicht auf, dass die Vergangenheit nicht mit der eigenen Geburt anfängt, sondern mit der Familie und deren erlebten Geschichte. Das ist oftmals des Rätsels Lösung, warum Vater oder Mutter so seltsam drauf war oder noch ist und man sich selbst nicht versteht.
Ich habe ihm das jetzt nochmal gesagt, dass das wichtig ist, auch wenn es fast nicht greifbar ist, aber wir können lernen 1 u.1 zusammenzuzählen, wo, wann die Eltern geboren wurden, wo, wie sie lebten und lesen lernen.
Erst dann wird das eigene Paket rund und schlüssig.
So, und jetzt höre ich auf, Punkt.

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Elmar » Mi, 06. Feb 2019 09:03

Als 'Kleinkind sind die Eltern wie Gott - später die Norm.
Daher ist es einem Kind unmöglich, sich vorzustellen, dass die Eltern dabei waren.
Sie waren dabei, oder haben weggeschaut.
So wie heute - wenn die Leute wegschauen, wenn im Mittelmeer tausende ertrinken, wegschauen, wenn Deutschland für Milliarden , Granaten und andere Waffen in Krisengebiete exportiert - bringt ja Arbeit.
So kam es, dass viele Völker "traumatisiert wurden.
Mit Ende des Krieges war nicht Schluss!
Zuerst die Flucht, dann die Rachefeldzüge, meisten gegen Jene, die am Wenigsten tun konnten - die Frauen.
In den Ostgebieten waren sie "Freiwild"
Wie zuvor die Frauen in Polen und Russland, es für die Deutschen Soldaten waren.
Das Trauma - das Unaussprechliche ging an die Kinder Weiter - man sagt, dass ein Trauma bis zu 5 Generationen lang, seine Schatten wirft.
Kein Wunder - auf diese Art.
Und wieder sind die Hetze vorne dran.
Klar - die kleinen Kinder wissen gar nicht, was sie da sagen.
Später sollten sie selber denken lernen - aber der Neid, die Missgunst und das Hetzen sorgen schon dafür, dass dies nur sehr wenig geschieht.
Schließlich wollen die Waffenverkäufer - und die Mächtigen dieser Welt - ja weiterhin in Luxus leben.
Schöne Grüße

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Kitty » Di, 12. Mär 2019 20:31

Meine Mutter meinte jetzt, sie wäre höchstwahrscheinlich jemand anderer, wenn sie den Krieg nicht miterlebt hätte, das glaube ich auch. Und ich wäre auch jmd. anderes.
Wie ich schwer vermutete, ist sie nach Johanna Haarer´s Buch "Die dt. Mutter und ihr erstes Kind" erzogen worden. Was ich nicht genau wusste, ich auch. Meine Oma schwörte auf dieses Buch. Laut m. Mutter stand es bei der Oma im Bücherregal- der Hammer. Ich würde es gerne mal lesen, habe aber gesehen, dass selbst Gebrauchte ein Heidengeld kosten.
Habe erst vor ein paar Jahren von dieser Frau gelesen.

Meine Mutter wurde als Kind nie getröstet, nie in den Arm genommen. Da hat sie wohl schon viel bei mir geleistet, denn sie war nicht ganz so. Trotzdem, meine Mutter und ich werden nie warm miteinander. Ich kann mich nie mit ihr näher unterhalten. Bzw., sie weiß wahrscheinlich nie, was sie zu ihrer Tochter sagen soll.
Ich meine auch, meine Mutter hat genügend mit sich selbst zu tun. Warum sie unbedingt Kinder bekam, ich meine, sie war doch mit uns völlig überfordert. Und ich dachte bereits als Kleinkind, ich sei nicht liebenswert.
Meine Oma habe ich mal als Kleinkind erlebt, mir vergingen sehen und hören dort. Es war wirklich übel dort und hatte große Angst. Ich wollte dort nie wieder hin, brutal und grausam empfand ich sie. Ich konnte das gar nicht verstehen, sie war doch meine Oma. Meine Mutter sagte wohl vorher noch zu mir, bei der Oma wäre es schön. Nein, wirklich nicht, ich glaube mir waren die paar Tage, die ich dort verbringen musste zum Heulen, aber wenn ich weinte, bekam ich vielleicht noch Schläge von ihr. Mit ihr wurde ich, auch als ich älter war, auch nie warm. Ich hatte stets Respekt vor ihr, aber ein liebevolles Verhältnis kannte ich mit ihr gar nicht. Als sie starb vermisste ich sie nicht.

Ich habe dem ganzen ein Ende gesetzt, ich habe keine Kinder, ist zwar schade, aber besser so, höchstwahrscheinlich. Ich hätte Kindern überhaupt nichts geben können, weder materielles noch Liebe und wäre vollkommen überfordert gewesen. Als es in den Medien vorwurfsvoll von unseren Politikern hieß, unsere Generation möchte nur ihren Wohlstand genießen, deshalb wollen sie keine, fühlte ich mich nicht angesprochen. "Die meinen wahrscheinlich alle anderen." Bis ich von einer Frau hörte, sie fühlte sich genauso wenig angesprochen. Also war ich mit dem Gefühl nicht alleine da gestanden.

Erst langsam kann ich mich auf Kinder einlassen und finde das bereits höchst spannend. Ja, ich habe wohl viel aus meiner Geschichte gelernt.

Mit den Flüchtlingen heute, fangen wir an zu reflektieren wie schlimm Vertreibung, Flucht und Kriege sind. Dass Dt. Waffen in Kriegsgebiete verkauft- ich verstehe so was nicht. Überall wo man nur hinschaut geht es um Kohle. Gegen Fluchtursachen wird nichts getan, stattdessen sind/ waren die Schleuser die Bösewichte.
Unser Hirn reicht nur für Milchmädchenrechnungen.

Ich habe das früher nicht verstanden, aber es geht wirklich überall nur ums Geld, um Milliarden die Firmen auch besonders auf Kosten anderer, einheimsen.

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Kitty » Di, 12. Mär 2019 20:42

nmeyer hat geschrieben:
Di, 06. Nov 2018 10:40
Manche Menschen leben immer nur in der Vergangenheit...
Wenn man die Gegenwart nicht ändert, wird die Vergangenheit Zukunft.

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Elmar » Mi, 13. Mär 2019 12:31

Es ist traurig, aber du hast leider Recht.
In fremden Ländern wird mit Waffen und Ausbeuten dafür gesorgt, dass die Leute da nicht mehr leben können, aber wenn sie flüchten,ja dann werden sie beschimpft - nicht etwa jene, die für die Zustände Hauptverantwortlichen sind.
Die Waffenproduzenten und Exporteure bringen doch Arbeitsplätze :(
Schöne Grüße

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Kitty » Fr, 15. Mär 2019 20:09

Das was unliebsam ist, wird unter den Teppich gekehrt, damit niemand dran denkt, warum sie flüchten müssen und es keine unliebsamen Demonstrationen gibt. Ja, Waffenproduzierende Firmen bringen viele Steuereinnahmen, womit man wieder die Flüchtlinge versorgen kann.
Ist mit allen Themen so. Genauso wie mit G5, natürlich gibt es Studien, die besagen, dass diese kommende Technik höchst gefährlich ist, genauso wie jetzt schon. Aber das Volk ist ja so doof. Alles worüber die Öffentlichkeit nicht informiert wird, wird vergessen, oder als sinnvoll oder ungefährlich und oder gedankenlos hingenommen.
Aber leider wird das in dem Fall direkte Folgen für sehr, sehr viel haben.

nmeyer
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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von nmeyer » Mi, 17. Apr 2019 11:54

Kitty hat geschrieben:
Di, 12. Mär 2019 20:42
nmeyer hat geschrieben:
Di, 06. Nov 2018 10:40
Manche Menschen leben immer nur in der Vergangenheit...
Wenn man die Gegenwart nicht ändert, wird die Vergangenheit Zukunft.
Genau das wollte ich mit dem Satz sagen. Sie lassen sich von der Vergangenheit ihre Zukunft beeinflussen. Dadurch leben Sie auch in der Zukunft in der Vergangenheit.

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Re: Kriegskinder, Kriegsenkel

Ungelesener Beitrag von Kitty » Mi, 17. Apr 2019 21:53

nmeyer hat geschrieben:
Mi, 17. Apr 2019 11:54
Kitty hat geschrieben:
Di, 12. Mär 2019 20:42
nmeyer hat geschrieben:
Di, 06. Nov 2018 10:40
Manche Menschen leben immer nur in der Vergangenheit...
Wenn man die Gegenwart nicht ändert, wird die Vergangenheit Zukunft.
Genau das wollte ich mit dem Satz sagen. Sie lassen sich von der Vergangenheit ihre Zukunft beeinflussen. Dadurch leben Sie auch in der Zukunft in der Vergangenheit.
Eben nicht, du verdrehst meinen Satz, ich schrieb, wenn man die Gegenwart nicht ändert, wird die Vergangenheit Zukunf!

Die Deutschen haben so sehr Angst vor ihrer eigenen Vergangenheit, dass wenn sie feststellen, andere über sie laut nachdenken, sofort große Angst bekommen, man könne in ihr steckenbleiben.
Was macht denn dir Angst, wenn andere darüber nachdenken, dass du weiterhin drauf rumreiten musst?
Ich verbitte mir das!

Amerikanische Lebensweisheit:
Know where you come from,
so you may better know where to go.
Know who you came from
so you may better understand
who you are.

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