Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

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Ceesbe
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Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Ceesbe » So, 01. Mär 2020 20:03

Hallo liebes Forum!

Ich habe gelesen, dass das Forum demnächst abgeschaltet werden soll aber ich dachte, ich versuche es trotzdem mal:

Ich habe mich in den letzten zwei Monaten recht intensiv mit Selbsthypnose beschäftigt und das meiste funktioniert auch (Muskelkontrolle, Regression, etc.). Das einzige was bisher nicht funktioniert ist die Schmerzkontrolle, allerdings vermute ich, dass das daran liegt, dass ich momentan nicht die Notwendigkeit sehe und die Motivation aufbringe, das wirklich zu perfektionieren. Schmerz abdämpfen geht schon. Einfache Veränderungen der Persönlichkeit und das Wegsuggerieren von negativen Gedanken funktionieren auch sehr gut und nachhaltig.

Jetzt suche ich nach Materialien, Büchern oder einem Austauschpartner. Irgendetwas, das mir helfen kann, weiterzukommen. Alle Materialien die ich finden konnte, gehen nicht über den Punkt hinaus, an dem ich bereits bin. Ich würde jedoch gerne weitergehen und sehen, was alles möglich ist. Zeitdehnung und -streckung würde ich gerne lernen, außerdem fände ich es spannend, mal etwas mit meinen Sinnen herumzuspielen und Illusionen zu sehen etc. Ich denke das könnte mein kritisches Bewusstsein stark fördern (ich träume seit 7 Jahren klar). Allgemein möchte ich einfach wissen, was alles noch möglich ist.

Kann mir jemand ein Buch oder eine andere Informationsquelle empfehlen? Oder hätte jemand Interesse an einem Austausch zu dem Thema?

Viele Grüße
Caro

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Miraculus » Do, 05. Mär 2020 22:26

Hallo Caro,

gute Bücher kann ich Dir nicht wirklich nennen. Vielleicht weiß Markus da mehr?
Die Frage wäre auch noch, wie "praxisnah" oder "theoretisch" ein Buch sein sollte/dürfte?

Ansonsten würde ich einfach ausprobieren und üben. "Im Prinzip" ist laut Labor-Studien mit SH alles möglich, was auch mit FH möglich ist - also auch (Pseudo-)Halluzinationen. Wobei zu bedenken ist, dass da auch in FH nicht jeder "erfolgreich" ist, jedenfalls nicht ohne Training.

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Miraculus » Fr, 06. Mär 2020 22:40

Nachtrag:

Zitat miraculus:

"...gute Bücher kann ich Dir nicht wirklich nennen."

Das sollte ich vllt so formulieren: Bücherm die Du nicht vermutlich auch schon kennst.

Es gibt da noch das Buch "Self-Hypnosis" von Fromm und Khan, aber das dürfte ziemlich wissenschaftlich sein, und ich selbst habe es nicht gelesen.

Ansonsten kann ich noch ergänzen, dass in den Experimenten, in denen Selbst-Hypnose eingesetzt wurde, um (auch anspruchsvolle) hypnotische Phänomene zu erzielen, die Probanden eine gewisse Anleitung (im Vorfeld) hatten. Es ging glaube ich in etwa darum, dass sie konkret mithilfe ihrer Vorstellungskraft entsprechende Phänomene zu erzeugen versuchten. Da kann ich nochmals nachschauen.

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Elmar » Di, 10. Mär 2020 17:01

Du machst ja offensichtlich schon viel.
Der Große Unterschied zu FH ist nur der, dass du dich selber leitest, also dein Bewusstes dabei ist.
Dies ist an sich aber durchaus ein Vorteil - in tiefer Trance erreicht man nicht mehr - nur die Kritikfähigkeit ist geringer.
Schmerzkontrolle, wenn es keine Notwendigkeit ist - vielleicht sieht dein Bewusstes keinen Sinn darin....
Schöne Grüße

Elmar

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Miraculus » Di, 10. Mär 2020 22:55

Hallo zusammen,

vielleicht ist das jetzt der Fachsimpelei zu viel, aber nach etwas Recherche habe ich einige Texte wiedergefunden, die ich zwar gelesen hatte, aber gerade nicht zur Hand habe, und bei denen Selbst- und Fremdhypnose verglichen wurde. Eine interessante Studie etwa stammt von John Ruch. Nach seinen Ergebnissen konnte die Selbsthypnose-Gruppe so gut hypnotische Phänomene erzeugen wie die Fremdhypnose-Gruppe.
Eine Aussage aus dem Haupttext, an die ich mich noch erinnere, war, dass das selbst für die schwierigsten Phänomene der Hypnose-Skala SHSS:C gilt. (Die schwierigsten Phänomene der SHSS:C sind Item 11, eine positive auditive Halluzination, und Item 12, eine negative visuelle Halluzination. Aber auch andere eher anspruchsvolle Phänomene wie z.B. eine Amnesie und eine negative Geruchs-Halluzination sind dabei.)
In der Zusammenfassung des Textes schreibt Ruch aufgrund dieser und anderer Befunde:

"These findings contradict a stereotype of hypnosis based on heterohypnosis of a passive S by an active hypnotist, with self-hypnosis a derivative of this. They suggest instead a reconceptualization in which active self-hypnosis is the primary phenomenon, heterohypnosis is in effect guided self-hypnosis, and a hypnotist is as capable of being inhibitory as helpful."

https://www.tandfonline.com/doi/abs/10. ... 7508415952

(Sinngemäß geht es in dem zitierten Satz also u.a. darum, dass Selbsthypnose vermutlich eher das primäre Phänomen ist (und nicht die Heterohypnose), und dass Heterohypnose im Effekt geführte Selbsthypnose ist.)
.
Es gibt verschiedene Studien mit ähnlichen Ergebnissen. Die Anzahl der "erfolgreichen" Suggestionen war bei Selbsthypnose und Fremdhypnose jeweils ähnlich. Auch das subjektive Erleben der Hypnose war ähnlich, aber tendenziell gab es Unterschiede, wie Jpohnson und Weight schreiben:

"Factor analyses showed that the subjective experiences were generally similar. Heterohypnosis evoked more feelings of unawareness, passivity, and loss of control. Self-hypnosis elicited more feelings of time distortion, disorientation, active direction and trance variability."

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/965581

Fremdhypnose ging also eher mit einem Gefühl von fehlendem Bewusstsein und fehlender Kontrolle einher (was ja auch Elmars Aussage ähnelt), während Selbsthypnose (u.a.) eher mit Veränderungen des Zeitgefühls und aktiver Selbststeuerung verbunden war.

Man muss hinzufügen, dass das erst mal für die "Labor-Hypnose" ohne persönliche Beziehung zum Hypnotiseur gilt. Für die normale Praxis, in der oftmals eine solche Beziehung samt Vertrauensverhältnis besteht und der Hypnotiseur individuell auf das Subjekt eingeht, scheint Fremdhypnose erfahrungsgemäß hingegen wohl effektiver zu sein.

In all diesen Versuchen wurden die Probanden wie gesagt angeleitet, die hypnotischen Phänomene in einem gewissen Sinne aktiv selbst zu erzeugen.

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Elmar » Mi, 11. Mär 2020 10:32

Ja, da hast du Recht, gerechtfertigtes Vertrauen ist immer gut.
Außerdem kann man manchmal als Außenstehender etwas erkennen und entwirren, was dem Betroffenen nicht selber - oder allein - möglich ist.
Wichtig ist dann aber, dass der Hypnotiseur sich wirklich in den Betroffenen fühlt - und nicht an das Geld, dass er verdient :)
Schöne Grüße

Elmar

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Ceesbe » Mi, 11. Mär 2020 16:54

Hallo zusammen!

Erstmal vielen Dank für die ausführlichen Antworten!
Miraculus hat geschrieben:Die Frage wäre auch noch, wie "praxisnah" oder "theoretisch" ein Buch sein sollte/dürfte?
Ich weiß nicht genau. Bisher habe ich ehrlich gesagt auch noch gar nicht so viel gelesen. Ich habe die Selbsthypnoseanleitung von Raymond Morren durchgearbeitet und "Die hohe Schule der Hypnose" von Tepperwein gelesen. Anschließend habe ich nach mehr Lesestoff gesucht und mir Inhaltsverzeichnisse angeguckt aber alles wirkte irgendwie sehr auf Anfänger fokussiert. Vielleicht habe ich auch nur nicht richtig gesucht? Gegen Theorie habe ich nichts, solange sie nicht allzu trocken ist. Wobei ich vermutlich auch durch die Beschäftigung mit Klarträumen die meiste Theorie zumindest grob kennen dürfte.
Miraculus hat geschrieben:Es gibt da noch das Buch "Self-Hypnosis" von Fromm und Khan, aber das dürfte ziemlich wissenschaftlich sein, und ich selbst habe es nicht gelesen.
Danke für den Tipp! Ich schaue es mir mal an.
Elmar hat geschrieben:Schmerzkontrolle, wenn es keine Notwendigkeit ist - vielleicht sieht dein Bewusstes keinen Sinn darin....
Das vermute ich auch stark. Inzwischen habe ich weiter mit Schmerzkontrolle experimentiert. Vorhandene Schmerzen wegzusuggerieren funktioniert durchaus! Was nicht funktioniert ist die Handschuhanästhesie, bei der ich keine Schmerzen habe und mir das Körperteil taub suggeriere. Wahrscheinlich erscheint es mir einfach nicht wichtig genug.
Miraculus hat geschrieben:vielleicht ist das jetzt der Fachsimpelei zu viel, aber nach etwas Recherche habe ich einige Texte wiedergefunden, die ich zwar gelesen hatte, aber gerade nicht zur Hand habe, und bei denen Selbst- und Fremdhypnose verglichen wurde. [...]
Vielen Dank, das ist sehr spannend! Also theoretisch müssten alle diese Halluzinationen genauso gut in Selbsthypnose funktionieren. Gibt es irgendwelche Erfahrungen, welche Halluzinationen (meist) besonders einfach oder besonders schwer sind? Laut kurzer Google-Suche nach SHSS:C sollen anscheinend Geschmackshalluzinationen recht einfach sein, die funktionieren bei mir auch. Was ist mit der "Moskito-Halluzination" gemeint? Mir erscheint der Sprung von "Arm lähmen" zu positiven auditiven, bzw. negativen visuellen Halluzinationen sehr groß. Gerade visuelle Sachen erscheinen mir sehr schwer. Vor allem finde ich keine konkreten Quellen dazu, wie man Halluzinationen suggeriert, welche Halluzinationen besonders geeignet sind etc. Gibt es dazu Informationen?

Dann noch die Sache mit Zeitdehnung bzw. -streckung. Dazu finde ich überhaupt nichts, nur Raymond Morren hatte geschrieben, dass es möglich sei. Mir erscheint diese Fähigkeit sehr praktisch, gibt es irgendjemanden, der sich mit dem Phänomen eingehender beschäftigt hat?

Ich übe jedenfalls weiter :) Vielen Dank für eure Antworten!

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Miraculus » So, 15. Mär 2020 00:55

Hallo Ceesbe,

ich habe früher mehr Titel auch zur SH gekannt, aber meine Beschäftigung mit dem Thema ist schon ziemlich lange her. Mein erstes Buch zur Selbsthypnose war das gleichnamige Buch von LeCron. Aus heutiger Sicht teilweise sicher etwas formell und theoretisch veraltet, scheint es mir, wenn man es in den Kontext setzt, nach wie vor eine Reihe von guten Punkten zu beinhalten. Ebenfalls relevant könnten Bücher sein, die die Oberstufe des Autogenen Trainings (AT) beinhalten. Denn das AT ist im Prinzip eine spezielle Form der Selbsthypnose.

Ansonsten könnte es allgemein nützlich sein, sich mit guten Büchern zur Fremd-Hypnose zu beschäftigen, weil es natürlich viele Parallelen zur SH gibt, und weil es viel mehr zum Thema Fremdhypnose gibt. Ganz gut finde ich persönlich das Buch "Kompaktkurs Hypnose von Tad James et al.
Werke von Erickson (wie etwa "Hypnotherapie") sind für Leute, die tiefer einsteigen wollen, ebenfalls sehr empfehlenswert, auch wenn man einigen Behauptungen Ericksons mit etwas Skepsis begegnen sollte (etwa das Wörtlichnehmen in der Hypnose oder die generelle Überlegenheit indirekter Suggestionen, wobei letzterer Punkt sich vielleicht eher auf die Therapie bezieht und Erickson auch direkt gearbeitet hat; das sieht man auch, wenn man seine Original-Schriften liest.)

Andere Sachen wie Handschuh-Anästhesie, visuelle und auditive Halluzinationen usw. müsste man ev. wohl gezielt länger üben. Man könnte beispielsweise anfangen, sich eine bestimmte Sache mit offenen Augen lebendig vorzustellen, bis das Bild immer deutlicher wird und dann vermutlich irgendwann auch zunehmend eine "externe" Qualität und in eine Halluzination übergeht. Bei der Fremdhypnose habe ich positive Erfahrungen damit, dass ich erst einen ganz kleinen Lichtpunkt (der sich dann ausbreitet und einfache (farbige) Flächen oder Figuren (wie einen Kreis) suggeriere. Oder dass etwas erst vorgestellt wird und dann langsam immer plastischer wird.
Ich habe mal einen Blog-Artikel zu Halluzinationen verfasst, aber das ist schon länger her, und ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wie praxisnah er ist. Ich meine jedoch, dass er einige womöglich interessante Informationen enthält und verlinke ihn daher einfach mal:

https://hypnoseinfos.wordpress.com/2011 ... inationen/
Was ist mit der "Moskito-Halluzination" gemeint?
Da wird suggeriert, dass ein Moskito um einen rumfliegt und über die Haut krabbelt, und dass man es vertreiben soll. (Bei verwandten Hypnose-Skala ist es eine Fliege.) Der Sinn ist, dass der Proband etwas fühlt oder hört, oder besser noch beides. Allerdings ist dieses Test-Item m.W. etwas schwach, weil etwa ein Drittel der Probanden auf das Insekt verhaltensmäßig reagiert (es verscheucht, das Gesicht verzieht usw.), ohne es irgendwie zu halluzinieren (wenn meine Erinnerung korrekt ist). Die verhaltensmäßige Reaktion reicht aber schon, um einen Punkt zu bekommen. Die meisten anderen Test-Items der Standard-Skalen sind in dieser Hinsicht besser.
Vielen Dank, das ist sehr spannend! Also theoretisch müssten alle diese Halluzinationen genauso gut in Selbsthypnose funktionieren.
Das scheint so zu sein (soweit das untersucht wurde). Eine positive Einstellung und Erwartungshaltung dürfte sicherlich nützlich sein. Aber nicht jeder kann eben in Fremdhypnose (jedenfalls ohne Übung) alles erreichen - und entsprechend wird es sich auch bei der SH verhalten.

Es ist schon so, dass Geruchs- und Geschmackshalluzinationen typischerweise leichter sind als visuelle und auditive, wobei es natürlich immer Ausnahmen bei den Menschen gibt.

Zeitdehnung und Zeitverkürzung sind eigentlich gut bekannte Phänomene, zu denen meines Wissens auch einiges geschrieben wurde. Meistens tritt das Phänomen spontan auf, aber natürlich kann es auch suggeriert werden.

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Miraculus » So, 15. Mär 2020 01:43

Und noch eine Ergänzung zu meinem Beitrag von gerade vorhin. Ich habe inzwischen den oben verlinkten Artikel von Ruch rausgesucht. Die Oiginal-Formulierung, die sich auf sein Experiment bezieht, lautet wie folgt (S. 269):

"The Ss can hypnotize themselves without prior heterohypnosis experience, even when they represent an unselected sample of varayying hypnotic susceptibility. They also do equally well as measured by the most difficult scale items - those sometimes said to require the most 'depth'."

Sinngemäße Übersetzung:

"Die Subjekte können sich auch ohne vorhergehende Heterohypnose selbst hypnotisieren, selbst wenn sie eine nicht vorselektierte Gruppe mit unterschiedlicher hypnotischer Empfänglichkeit darstellen. Sie schneiden dabei auch genauso gut ab, wenn man die schwierigsten Skalen-Items betrachtet - also denjenigen, von denen manchmal gesagt wird, dass sie die größte ' Tiefe' voraussetzen."

Ruch verwendete sowohl die relativ einfache Skala HGSHS:A wie auch die recht anspruchsvolle SHSS:C in dieser Studie. Seine Aussage dürfte sich daher ziemlich sicher insbesondere auf anspruchsvolle SHSS-C-Items (wie die negative olfaktorische, negative visuelle und positive auditive Halluzination) beziehen, denn (u.a.) solche Suggestionen sind recht "schwierig" und wurden traditionell als diejenigen angesehen, die einer besonderen "Tiefe" bedürfen. Mein Gedächtnis hat mich also nicht getrogen. ;)

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Miraculus » So, 15. Mär 2020 13:24

Und vllt noch eine zweite kleine Ergänzung:
Genau genommen kann man ja zwischen "echten" und "Pseudo-Halluzinationen" unterscheiden (auch wenn das oft nicht getan wird). Bei ersteren ist die betreffende Person von der Realität der halluzinierten Dinge überzeugt (bzw. von der Nicht-Realität der negativ halluzinierten Dinge), bei der letzteren nicht.

Halluzinationen in diesem ersten Sinne, bei denen man selbst an das Illusionäre glaubt, dürften mit SH vermutlich deutlich schwieriger sein als mit Fremdhypnose. Aber ich glaube, es geht Dir ja vermutlich eh um die illusionäre Wahrnehmung als solche, nicht um den Glauben an ihre Realität.

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Selbsthypnose-Markus » Mi, 16. Sep 2020 09:47

Ceesbe wie hast du bisher SH gemacht, mit auf Tonträger aufgezeichneten Anweisungen?

Manipulation von Schmerzen ist echt heikel, mein Unterbewußtsein macht da nicht mit, ist ihm zu gefährlich.

Halluzinationen hat mirakulus gut dargestellt. Aber auch hier die Warnung bzw. Frage, wie stellst du das wieder ab? Bzw. wie weißt du, was was ist?

Wenn du mit Klarträumen experimentiert hast, wird das wohl nachts gewesen sein. Ganz klarer Zeitraum. In einer Hypnosesitzung gibt es auch einen klaren Rahmen. SH?
Wenn du mal mit Leuten mit Wahnvorstellungen zu tun hattest z.B. auch Dermatozoenwahn (Moskitohallu), dann willst du das nicht wirklich.

Witzige Hallus gibt es bei Marc Savard in der Show https://www.youtube.com/channel/UCgbyp2 ... S50qpj94LQ Obwohl ich mich auch hier frage, wieviele Leute noch Spätauswirkungen von dieser Showhypnose haben. Wird sich der eine oder andere nicht noch abends im Hotel erschrecken, wenn er einen Gürtel sieht? Der Gürtel wird bei Marc als gefährliche Schlange halluziniert.

Auch in dem Buch von LeCron sind Experimente beschrieben wie automatisches Schreiben. Bin mir bei dem Herrn nur nicht sicher, ob das wirklich SH war, was er angeleitet hat.

Ich warne in meinen Seminaren immer: Machen Sie keine Experimente, denn sie könnten funktionieren! Die Grenze der "Realität" ist ja nicht scharf, sie wird womöglich noch unschärfer. Lesen kannst du dazu was bei Robert Dilts und Realitätsstrategien. Beispielsweise: Wie unterscheidet man, was man gestern abend gemacht hat und was man hätte gemacht haben können? Diese innere Strategie, um festzustellen, was Realität ist, kann man beeinflussen. Man kann sich an die Grenze tasten, sollte dann aber sofort halt machen. Glaube mir, es gibt wirklich (kranke) Menschen, die das nicht unterscheiden können. Wenn man denen mal begegnet ist, wird man vorsichtiger.
Mach immer eine schriftliche Notiz an was du alleine arbeitest! Mach einen zeitlichen und räumlichen Rahmen. Wenn du da raus bist, dann ist es vorbei.

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Ceesbe » Di, 13. Okt 2020 14:13

Hallo!

Meine Güte wurde hier viel geschrieben! @Miraculus: Tut mir leid, ich habe irgendwie nicht mitgekriegt, dass du hier noch geantwortet hast. Habe erst durch die Mail-Benachrichtigung von Selbsthypnose-Markus davon erfahren - jetzt habe ich endlich Zeit zu antworten.
Miraculus hat geschrieben: Andere Sachen wie Handschuh-Anästhesie, visuelle und auditive Halluzinationen usw. müsste man ev. wohl gezielt länger üben. Man könnte beispielsweise anfangen, sich eine bestimmte Sache mit offenen Augen lebendig vorzustellen, bis das Bild immer deutlicher wird und dann vermutlich irgendwann auch zunehmend eine "externe" Qualität und in eine Halluzination übergeht.
Geruchs-, Geschmacks- und auditive Halluzinationen funktionieren inzwischen mehr oder weniger problemlos, mit den visuellen habe ich noch meine Probleme. Ich kann mir die suggerierten Sachen sehr gut vorm inneren Auge vorstellen, das Bild bleibt auch erhalten, während ich die Augen offen habe, es fühlt sich aber eher so an als würde ich zwei Welten parallel sehen und die Bilder überlagern sich eher, die Sache fügt sich nicht in die echte Welt ein. Allerdings habe ich genau damit neulich im Klartraum experimentiert und gemerkt, dass es mir im Klartraum ebenfalls nicht gelingt, etwas aus der Luft in die Welt zu suggerieren, ohne dabei wegzuschauen oder mich anderer Tricks zu bedienen. Und auch mit Tricks funktioniert es maximal in 30% der Fälle. Im Klartraum sollte es aber eigentlich wesentlich einfacher sein. Daher scheint mir das kein direktes Hypnoseproblem zu sein. Ich übe momentan weiter im Klartraum.

Der Blogartikel war sehr interessant, ich konnte einiges daraus mitnehmen! Allgemein ist der Blog eine Goldgrube, vielen Dank für den Link. Die empfohlenen Bücher sind leider nicht in meiner Stadbibliothek zu finden und online teils recht teuer, aber trotzdem danke für die Tipps. Ich werde versuchen, sie als E-Book zu finden.
Miraculus hat geschrieben: Halluzinationen in diesem ersten Sinne, bei denen man selbst an das Illusionäre glaubt, dürften mit SH vermutlich deutlich schwieriger sein als mit Fremdhypnose. Aber ich glaube, es geht Dir ja vermutlich eh um die illusionäre Wahrnehmung als solche, nicht um den Glauben an ihre Realität.
Genau so ist es :)

Selbsthypnose-Markus hat geschrieben:Ceesbe wie hast du bisher SH gemacht, mit auf Tonträger aufgezeichneten Anweisungen?
Nein, ich habe die Anleitung von Raymond Morren durchgearbeitet und arbeite seitdem eigenständig ähnlich zu seiner Technik mit eigenen Abwandlungen.
Selbsthypnose-Markus hat geschrieben: Wenn du mit Klarträumen experimentiert hast, wird das wohl nachts gewesen sein. Ganz klarer Zeitraum. In einer Hypnosesitzung gibt es auch einen klaren Rahmen. SH?
Wenn du mal mit Leuten mit Wahnvorstellungen zu tun hattest z.B. auch Dermatozoenwahn (Moskitohallu), dann willst du das nicht wirklich.
In der SH schaffe ich mir ja meinen klaren Rahmen, indem ich mir einen bestimmten Zeitpunkt und einen bestimmten Ort suche. Mir ist schon klar, dass ich keine dauerhaften Wahnvorstellungen haben will und das schnell gruselig und gefährlich werden kann. Ich habe aber Erfahrung mit Ritualen (haben eine sehr ähnliche Wirkung wie Selbsthypnose), die ich vergessen hatte, vollständig aufzulösen und weiß, wie ich da von selbst wieder herauskomme. Keine schöne Erfahrung aber da mir das schon mehrmals passiert ist, habe ich überhaupt keine Zweifel, dass ich auch die Selbsthypnose immer aufgelöst bekomme. Bei anderen Übungen wie dem steifen Arm oder dieser Übung, bei der man die Augen nicht mehr öffnen kann, hatte ich auch nie Schwierigkeiten, das aufzulösen.
Ich warne in meinen Seminaren immer: Machen Sie keine Experimente, denn sie könnten funktionieren!
Ja, das stimmt. Ich kenne auch schizophrene Personen, sodass ich weiß, wie gruselig es sein kann, wenn etwas schief geht. Eine Bekannte von mir hat durch übermäßge und falsche Mediation eine schizophrene Phase entwickelt. Ich vertraue mir da, dass ich weiß wo meine Grenze liegt. Ich übe regelmäßig die Selbsthypnose-Grundlagen, ca. jede zweite Selbsthypnose ist eine Leerhypnose bei mir. Außerdem bin ich seit 10 Jahren am Klarträumen, mache also seit 10 Jahren Bewusstseinstraining und übe, die Realität kritisch zu hinterfragen und zu unterscheiden, was real ist und was nicht. Selbsthypnose mache ich jetzt seit einem Jahr. Ich verstehe die Sorge und die Warnung, jemand der eine Woche lang mit Audio-CDs rumexperimentiert hat, sollte sich auf keinen Fall an Halluzinationen wagen. Aber ich denke, ich habe genug Erfahrung, dass ich es im kontrollierten Rahmen probieren kann.

Zum Thema Schmerzkontrolle: Ich habe es tatsächlich geschafft, mit Selbsthypnose einen chronischen Schmerz wegzubekommen. Immer wenn der Schmerz auftrat, habe ich ihn mir wegsuggeriert. Das hatte auch den Vorteil, dass ich mich bei der Bewegung, die den Schmerz ausgelöst hat, nicht mehr verkrampft habe und dadurch auch weniger "echter" Schmerz auftrat. Dazu muss ich aber sagen, dass ich mit diesem Schmerz inzwischen seit 8 Jahren gelebt habe, bei 5 Ärzten und 3 Physiotherapeuten war und mir niemand helfen konnte. Bei akut auftretendem Schmerz würde ich niemals Schmerzkontrolle anwenden, das wäre mir viel zu gefährlich.

Vielen Dank jedenfalls für die vielen Antworten!

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Selbsthypnose-Markus » Mi, 14. Okt 2020 10:47

Ich glaube, das ist ein unlösbarer Widerspruch. Halluzination ist für mich real, dass man eben nicht mehr weiß, was "nicht echt" ist. Es ist beides Realität. Von daher kannst du dich auch nicht aus was rausholen. Alles andere ist für mich eine sehr lebendige Visualisierung / Täuschung.

Ich schätze, unbewußt siehst du das genau so und deshalb gelingen nur sehr begrenzte Versuche bzw. du bleibst immer auf der sicheren Seite. Es ist gut, dass du schon recht viel Erfahrung hast.

Ich hatte neulich tatsächlich spontan eine Geschmackshalluzination. Sie war völlig real und ich konnte nur mit viel detektivischem Nachdenken da wieder rauskommen. Ich machte einen Cappuccino und dachte, "nimm doch etwas von dem neuen Vanille-Kurkuma-Gewürz da rein, mal sehen wie es schmeckt." Doch zuvor noch einen Schluck Cappuccino, damit ich den Unterschied richtig beurteilen kann. Wow, dachte ich, wieso schmeckt der nach Kurkuma? Ich hatte das Gewürz noch verpackt in der anderen Hand, hatte definitiv nichts reingetan, war auch nicht aus der Küche gegangen, hatte niemandem davon erzählt, der mir hätte einen Streich spielen können. Noch einen Schluck. Das war 100% Kurkuma-Geschmack in meinem Cappuccino. Konnte aber nicht sein. O.k., ich roch also an der Gewürzverpackung, absolut null, noch verschlossen.
Mit der Feststellung, dass das alles nicht sein konnte, nahm ich noch einen Schluck und zwang mich dazu, Cappuccino zu schmecken. Ja, so kam ich da wieder raus.

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Selbsthypnose-Markus » Fr, 16. Okt 2020 18:19

Also, immerhin hast du es geschafft, dass ich mir erstmalig die Anleitung von Morren grob bis zur Hälfte durchgelesen habe. "Platzieren Sie die Rosine dort, das dritte Auge hier, fahren Sie mit dem Aufzug gaaaanz nach unten..." boa, ich krieg die Krise bei so langatmigen Sachen. Meine Selbsthypnose geht in 30 Sekunden runter, 30 Sekunden arbeiten und in 3 Sekunden raus. Zack, zack, zack! Das geht auch im Stehen am Fenster auf dem Weg zur Kaffeemaschine im Büro.
Wenn man nicht sehr viel Übung mit mentalem 'Stillsitzen' hat, dann kann man sich unmöglich in SH-Sitzung 4 8 Minuten lang auf einen warmen oder kalten Tag fokussieren. Teilnehmer haben bei mir aber durchaus schon innerhalb von 30 Sekunden genießt, weil ihnen das so schnell gelang, sich an einen kalten Tag zu erinnern.

Wie auch immer, zu der vorher dargestellten Halluzination wollte ich noch sagen, dass man sich etwas aussuchen sollte, was nahe an dem ist, was sein könnte. Cappuccino mit oder ohne Gewürz liegt inhaltlich, geographisch und zeitlich sehr nahe beieinander. So ähnlich ist das auch in Dilts' Realitätsstrategien, die aber in der Vergangenheit arbeiten.

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Ceesbe » Mo, 19. Okt 2020 13:41

ch glaube, das ist ein unlösbarer Widerspruch. Halluzination ist für mich real, dass man eben nicht mehr weiß, was "nicht echt" ist. Es ist beides Realität. Von daher kannst du dich auch nicht aus was rausholen. Alles andere ist für mich eine sehr lebendige Visualisierung / Täuschung.
Dann haben wir aneinander vorbeigeredet, mir geht es wirklich nur um Pseudo-Halluzinationen. Ich habe in SH einmal die Übung gemacht, dass ich meinen Namen vergesse und auch wenn ich es sofort auflösen konnte, fand ich es doch ziemlich befremdlich und unangenehm.
Also, immerhin hast du es geschafft, dass ich mir erstmalig die Anleitung von Morren grob bis zur Hälfte durchgelesen habe. "Platzieren Sie die Rosine dort, das dritte Auge hier, fahren Sie mit dem Aufzug gaaaanz nach unten..." boa, ich krieg die Krise bei so langatmigen Sachen. Meine Selbsthypnose geht in 30 Sekunden runter, 30 Sekunden arbeiten und in 3 Sekunden raus. Zack, zack, zack! Das geht auch im Stehen am Fenster auf dem Weg zur Kaffeemaschine im Büro.
Einige der Übungen trainieren sehr wohl die schnelle Einleitung, immer mal wieder zwischengeschoben. Die Idee an Morrens Anleitung ist, die Übungen erst langsam zu lernen und dann immer schneller in den hypnotischen Zustand zu kommen. Ich kenne ein paar Leute, die von den schnellen Übungen total gestresst sind und sich nicht richtig entspannen können, wenn sie sich unter Zeitdruck fühlen. Ich mache beides, je nach Lust und Laune. Jedem das Seine ;-)
Wie auch immer, zu der vorher dargestellten Halluzination wollte ich noch sagen, dass man sich etwas aussuchen sollte, was nahe an dem ist, was sein könnte. Cappuccino mit oder ohne Gewürz liegt inhaltlich, geographisch und zeitlich sehr nahe beieinander. So ähnlich ist das auch in Dilts' Realitätsstrategien, die aber in der Vergangenheit arbeiten.
Danke für den Tipp, das werde ich mir merken!

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Re: Selbsthypnose für "Fortgeschrittene"

Ungelesener Beitrag von Miraculus » Sa, 24. Okt 2020 19:27

@ Ceesbe:

Im Moment habe ich leider nicht so die Zeit und Ruhe, daher nur ein Dankeschön für die Schilderungen (und der Hinweis, dass nicht alle Zitate von mir sind) und ein Tipp: Viele größere Bibliotheken bieten Fernleihe. Wenn man viele "auswärtige" Bücher oder auch Zeitschriften-Artikel liest, kann man da Unsummen sparen.

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